6. August 2025
Kathrin Theisges
Design auf Augenhöhe
Stereotypen in der Gestaltung sind nicht nur ein kreatives Problem, sondern auch ein gesellschaftliches, das die Wahrnehmung von Identität, Zugehörigkeit und Gleichberechtigung beeinflusst. Indem wir uns aktiv mit diesen Themen auseinandersetzen und inklusivere, differenzierte und authentische Entwürfe schaffen, können wir dazu beitragen, eine vielfältigere und gerechtere Welt zu gestalten. Wir haben im Laufe der Jahre als Gestalter:innen viel Erfahrungen mit unterschiedlichen Designprozessen gemacht. Die Arbeit von en détail ist ganz gut mit dem Design auf Augenhöhe beschreibbar. Besonders in einer Zeit, in der der Fokus immer stärker auf nutzerzentrierten, inklusiven und partizipativen Designprozessen liegt. Der Begriff „Design auf Augenhöhe“ bedeutet, den Nutzer nicht nur als Empfänger eines vorgefertigten Produkts oder einer Lösung zu sehen, sondern als aktiven Mitgestalter des Entwurfsprozesses. Das ist ein Ansatz, der den traditionellen Designprozess umkehrt, bei dem oft die Designteams allein entscheiden, was für die Nutzer „gut“ ist. Stattdessen geht es darum, den Nutzer in den gesamten kreativen und iterativen Prozess zu integrieren. Es bedeutet, die Hierarchien zwischen Designerinnen und Nutzerinnen zu hinterfragen und auszugleichen.
Spannend finde ich zu diesen Themen Rebekka Endler und Sarah Owens. Rebekka Endler spricht darpber, dass Design nie neutral ist. «Wenn wir gestalten, adressieren wir das Geschlecht in irgendeiner Form unbewusst mit», so die Forscherin, die genderbewusstes Design an mehreren Kunsthochschulen unterrichtet. «Und dabei passiert es häufig, dass eine eindimensionale Perspektive aufs Geschlecht mittransportiert wird.» Ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit ist die Idee, dass „Design für“ nicht ausreicht – es muss „Design mit“ den Nutzern geschehen. Rebekka Endler betont dabei, dass Designprozesse nicht in einem Elfenbeinturm stattfinden dürfen, sondern in einem ständigen Dialog mit der Zielgruppe.
https://www.srf.ch/kultur/diskriminierendes-design-design-fuer-alle-statt-nur-fuer-weisse-maenner
Auch Sarah Owens ist lohneswert zum Anhören: Ihre Projekte zeigen auf, wie Design nicht nur ästhetische, sondern auch soziale und ethische Dimensionen annehmen kann, um positive Auswirkungen auf die Gesellschaft zu erzielen. Indem sie den Dialog zwischen Designerinnen und Nutzerinnen fördert, setzt Owens einen wichtigen Akzent auf den partizipativen Charakter von Designprozessen und fordert eine kritischere Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Design auf die Welt.
https://www.srf.ch/kultur/kunst/sarah-owens-design-revolution-warum-auch-eine-vermisstmeldung-design-ist


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